Pyrotechnik

FAQ Pyrotechnik

Warum geht es nicht ohne Pyro?

Pyrotechnik ist ein unverzichtbarer Teil der jahrelang gewachsenen Fankultur. Dabei sprechen wir bewusst von  Fankultur. Denn Bengalische Feuer erstrahlten schon in den Kurven, als in Deutschland noch keine Ultràbewegung Einzug in die Stadien hielt. Bereits in 80er und 90er Jahren wurden Tore in den Kurven mit Bengalen gefeiert und in ein rotes Licht getaucht. Daher fragen wir einfach andersherum: Warum soll dies auf einmal anders sein?
Pyrotechnik als Ausdruck von Freude und Emotion. Jeder der das entscheidende Tor in der Nachspielzeit einmal miterlebt hat, wird genau wissen, was den besonderen Reiz von Pyrotechnik in solchen Momenten mit sich bringt. Viel mehr noch. Ein einziges Bengalo macht aus solch besonderen Augenblicken einen einzigartigen und unvergesslichen Moment. 

 

Warum wurden/ werden Strafen gegen den eigenen Verein billigend in Kauf genommen?

Beziehen wir uns doch gleich wieder auf das Beispiel aus den 90er Jahren. Wurde es damals in dem Maße, wie es heute der Fall ist strafverfolgt? Die Antwort kann sich wohl jeder selbst geben. In Zeiten der immer mehr voranschreitenden Kommerzialisierung und Bürokratisierung des Fußballs, ja der gesamten Gesellschaft an sich musste irgendwann auch Pyrotechnik dran glauben. Waren die Strafen zunächst noch im Rahmen und bewegten sich im unteren dreistelligen Bereich, sind wir inzwischen bei Geldstrafen im fünfstelligen Bereich, Platzsperren und Auswärtsfahrverbot angelangt.

Dass Pyrotechnik trotz dieser Maßnahmen weder weniger noch vermehrt zu Einsatz kommt, sollte doch zu denken geben. Pyrotechnik gab es eben auch schon vor den Strafen. Man kann nicht von heute auf morgen ein jahrelang gewachsenes Stilelement bunter Kurven verbieten und sich dann wundern, wenn es nicht sofort klappt. Es handelt sich vielmehr um eine Bevormundung der Verbände gegenüber den Vereinen und natürlich um Geldeintreiberei. Jeder Verein sollte doch selbst für sich entscheiden können, was in seinem Stadion erlaubt ist und was nicht. Stattdessen werden sie gezwungen, Regularien anzuerkennen, da ihnen ansonsten der Ausschluss aus dem Spielbetrieb droht.

Mit dem verantwortungsvollen Einsatz von Pyrotechnik können sich bundesweit viele Vereine identifizieren. Einzig die Verbände und Regularien schießen quer und beharren stur auf ihrem Restriktionssystem, anstatt in Dialog mit Verein und Fans zu treten. Dass beste Beispiel hierfür ist der Chemnitzer FC, wo auf lokaler Ebene Stadt, Verein und Polizei ihr OK gaben, der DFB den Einsatz von Pyrotechnik aber ablehnte. Vielmehr sollten wir alle zusammenarbeiten, kontrolliertes Abbrennen von Pyrotechnik legalisieren um somit letztlich unseren Vereinen auch die Strafen zu ersparen. Das ist im Sinne aller, auch der Vereine. Das ist unser Ziel!

  
Warum nimmt sich eine kleine Fangruppe, die kaum mehr als 10% der Zuschauer ausmacht, so wichtig und konzentriert sich auf Dinge, die nichts mit dem Fußballsport zu tun haben und oft genug Zuschauer und Spieler in Gefahr brachten?

Wir sind Fans und keine Spieler, Trainer oder Manager, die sich um das Tagesgeschäft auf dem Rasen und in der Geschäftsstelle zu kümmern. Unsere große Leidenschaft ist es aber, und das sollte ebenfalls bekannt sein, unsere Vereine in den Stadien so gut es geht zu unterstützen. Wir verstehen uns als den aktiven Part in den Stadien und wie überall im Leben gilt eben: Wer viel macht, hat auch viel zu sagen. So ist es auf Arbeit, in der Familie und auch in der heutigen Leistungsgesellschaft. Wie bereits beschrieben hat Pyrotechnik sehr wohl etwas mit dem Fußballsport zu tun und zwar historisch gewachsen. Wir sind der Überzeugung, dass bei verantwortungsvollem Einsatz von Pyrotechnik die Gefahr für Zuschauer auf ein Minimum reduziert werden kann. Ein Minimum, das genau so groß ist, wie die Chance im Stadion umzuknicken, sich den Fuß zu stauchen oder an der Ampel dem Vordermann aufzufahren. Wie verantwortungsvoller Einsatz von Pyrotechnik aussehen kann, haben die letzten Jahre bewiesen, in denen Unfälle und Personenschäden durch Pyrotechnik in deutschen Stadien an einer Hand abzuzählen sind. Doch von den vielen friedlichen und vorbildhaften Pyroshows zu berichten, dass ist es den Medien nicht wert, denn es suggeriert ja nicht das eigens von ihnen erschaffene Bild Pyro=Randale.

 

Wie will man Verletzungen von Fans ausschließen, wie sie zB. Nürnbergern in Bochum passiert sind?

Zur Beantwortung dieser Frage sollte man etwas weiter ausholen und die Entwicklung des Einsatzes von Pyrotechnik kurz skizzieren und natürlich auch unser Verhalten selber kritisch reflektieren.

Wie kam es soweit, dass in den Medien plötzlich von „Gewalt“ und „wenigen Unbelehrbaren“ statt von „südländischer Stimmung“ die Rede war. An dieser Entwicklung sind auch wir Ultras selbst nicht ganz unschuldig. Pyrotechnik eingesetzt zum Pöbeln, Zünden von Rauch bei gleichzeitigem Besteigen und Rütteln des Zauns, teils vermummt. Das vermittelt nach außen natürlich nicht gerade einen friedlichen und feiernden Eindruck der Fans. Auch war es eine Phase des „Ausprobierens“ einer in den Kinderschuhen steckenden Bewegung. Wie weit darf ich gehen? Das kennt wohl jeder von sich selbst als kleines Kind. Irgendwann wird man aber Erwachsen und weiß sich entsprechend zu verhalten. So auch die Ultràbewegung, die ihre Vergangenheit kritisch genug selbst beleuchtet. Bengalos, mit denen gegnerische Fans beschmissen werden, Bengalos, die in den Innenraum oder gar auf das Spielfeld fliegen und das Spielgeschehen beeinflussen, gehören vielerorts längst der Vergangenheit an.  Doch dieser Stopp des unverantwortungslosen Einsetzens von Pyrotechnik ist nicht etwa den inzwischen drakonischen Strafen durch Verband und Polizei zu danken, sondern vielmehr der Selbstregulierung unter den Fans und der Reife unserer Kurven.

Dennoch erfordert auch das verantwortungsvolle Zünden von Pyrotechnik ein hohes Maß an Kontrolle. Kontrolle, die unter den gegebenen Umständen nicht immer so möglich ist, wie es sein sollte. Ein perfekt geschaffenes Überwachungssystem vom Staat das an ganz andere Zeiten erinnert, und drakonische Strafen machen es nötig, dass man beim Zünden von Pyrotechnik unerkannt bleiben muss. Da dies immer schwerer fällt, wird auch das Zünden immer schwieriger und somit steigt die Gefahr für Fans und Zuschauer, beim Einsatz von Pyrotechnik verletzt zu werden. Wir befinden uns also in einer Spirale. Eine Spirale, die unserer Auffassung nach aber im Dialog zurückgedreht werden kann. Erlaubte Pyrotechnik macht es allen Einsetzenden Personen einfacher, die Pyrotechnik verantwortungsbewusst zu zünden. Keiner muss sich verstecken, Angst um hohe Geldstrafen und Stadionverbot haben, nur weil er etwas tut, was vor 15 Jahren noch das normalste der Welt war. Schenkt man den Fans das Vertrauen, werden wir es mit noch weniger Verletzten zurückgeben, wie es ohnehin schon der Fall ist. Zumal das Beispiel von Nürnberg in Bochum sowieso schon das einzige dieser Art in den letzten Jahren in Deutschland war.    

 

Auf welche Kompromisse würden wir uns einlassen? (Nur vor oder nach dem Spiel, nur außerhalb von Zuschauerblöcken, nur im Beisein eines ausgebildeten Pyrotechnikers, nur bei Nennung von Verantwortlichen die bei Zwischenfällen persönlich haften...)

Natürlich ist uns bewusst, dass wir nicht von heute auf morgen alles umkrempeln können und Pyrotechnik bis zum Erbrechen eingesetzt werden kann. Genau an dieser Stelle muss der Dialog mit Verein, Verbänden und Polizei gesucht werden und sich letztlich der Heimverein für eine für ihn sichere und angemessene Variante entscheiden. Auch kann man natürlich vorher kontrollieren lassen, was man an Pyrotechnik einsetzt (lizensierte Pyro, EU-Norm), um einen weiteren Gefahrenherd von vornherein kategorisch auszuschließen.

Zudem vertreten wir ganz klare Grundsätze:

Gar nichts halten wir allerdings von den genannten Beispielen Pyrotechnik nur vor dem Spiel zu zünden und von Personen, die dafür haftbar sind. Ersteres raubt dem Stilelement die Spontanität, denn gerade nach Toren will man seiner Freude doch freien Lauf lassen und Ausdruck verleihen. Andererseits stärkt es nicht gerade das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen im Umgang mit Pyrotechnik, wenn bestimmte Personen für das Verhalten aller haftbar gemacht werden können.

Sobald legalisiert, dann Pyro bei jedem Spiel?

Wie bereits erklärt, ist Pyro das Stilmittel für die besonderen Momente. Für das Tor in der letzten Minute. Für den Rausch, in den man sich auf Grund des guten Spiels der Mannschaft gesungen hat. Für das Derby, in dem man zeigen will, wer die Nummer eins ist.

 

Wie will man sicherstellen, dass tatsächlich keine Böller hochgehen und Leuchtspur fliegt?

Die Selbstregulation der Kurve und das Wort der Kurvenchefs bewirkt in den Kurven viel mehr als jedes Gesetz, Strafe oder Wort der Polizei. Wenn die führende Gruppe oder die respektiertesten Ultras sagen, es gibt’s keine Böller und Leuchtspuren, dann wird es sie zu 99% Wahrscheinlichkeit auch nicht geben. Die Fans und Ultras selber sind natürlich nicht so dumm, sich hart erarbeitetes Recht durch den Einsatz blödsinnige Böller wieder kaputt zumachen. Für jeden einzelnen Stadionbesucher kann natürlich nicht garantiert werden, dennoch gilt auch hier. Jede Fanszene kann das Risiko selbst auf ein Minimum reduzieren und den Posten einer eigenen „Kurvenpolizei“ übernehmen.


 
Gleiche Rechte auch für Gästefans? Wie will man für deren sachgemäßen Umgang bürgen?

In einem sind sich alle Fans und Ultras trotz oftmals hoher Rivalität einig. Pyrotechnik gehört dazu und muss dementsprechend verantwortungsvoll eingesetzt werden. Dass mehrere tausende Fans und Ultras unterschiedlicher Vereine gemeinsam auf die Straße gehen und friedlich miteinander für die Fankultur demonstrieren, zeigt doch nur, zu was wir in der Lage sind, wenn wir selbst die Verantwortung übernehmen, man uns gewisse Freiräume lässt und uns nicht alles aufdoktriniert und vorgeschrieben wird. Das Prinzip der Selbstregulierung, egal ob szeneübergreifend oder –intern greift also auch hier.

 

Wie soll die Polizei/ die Sicherheitsfirma unterscheiden, welches Material für den Tifo im Block oder doch für den Angriff auf gegnerische Fans gedacht ist?

Ganz klar, Böller und Leuchtspuren gehören aus dem Verkehr gezogen. Sollte es trotz der internen Abmachungen in den Szenen Leute geben, die damit erwischt werden, so werden sie mit Missachtung und Wut der Szene genug gestraft. Denn diese Leute haben nichts verstanden. Repressive und überzogene Strafen halten wir aber auch in diesem Fall für den falschen Weg, dass ist aber wohl wieder ein anderes Blatt Papier. Denn dafür muss wohl ein generelles Umdenken in der Gesellschaft und dem Sicherheitsapparat stattfinden, der in seinem vollen Lauf nur schwer aufzuhalten ist. Wie aber bereits vorhin schon erwähnt, kann eingesetzte Pyrotechnik vorher von Fachmännern kontrolliert und auf seine Tauglichkeit und EU-Norm geprüft werden, somit dann auch für den Einsatz freigegeben werden. Somit hat auch das Schmuggeln der bisher verbotenen Pyrotechnik ein Ende und die Einlasskontrolleure weniger Stress. 

 

aus dem Zwickauer "Azione Kaos"

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